Bürgerdialog-Avatar · Bürgermeisterwahl Bensheim 2026
Auswertung aller Dialoge des interaktiven Video-Avatars im Wahlkampf von Harry Hegenbarth – vom Veröffentlichungstag über den Wahlsieg am 16. August 2026 bis heute.
Ergebnis
58,54 Prozent der gültigen Stimmen. Was der Avatar dazu beigetragen hat, lässt sich nicht in Stimmen umrechnen – wohl aber, was er geleistet hat.
Über den gesamten Zeitraum hat er 5.278 Bürgerfragen beantwortet, in 2.307 Gesprächen, mit 136,3 Stunden reiner Gesprächszeit. Zum Vergleich: Das entspricht rund 17 Arbeitstagen, an denen jemand ohne Pause Fragen beantwortet hätte – nachts, am Wochenende und in 28 Sprachen inbegriffen.
Und er hört nicht auf: In der Woche nach der Wahl kamen weitere 797 Fragen in 452 Gesprächen herein.
01 · Reichweite
Im Schnitt 195 Fragen pro Tag. Das ist kein Testbetrieb, das ist ein Kommunikationskanal.
Fragen pro Tag · Wahltag gestrichelt markiert
Die Spitzen fallen mit öffentlichen Anlässen zusammen: 6. August (585 Fragen), 28. Juli (459) und der Tag nach der Wahl mit 424. Presse, Podium und Social Posts treiben die Nutzung – wer das weiß, kann es planen.
Zwischen den Spitzen bleibt die Basis stabil bei 80 bis 250 Fragen täglich. Der Kanal trägt sich also auch ohne Anlass.
Ab dem Wahlabend kamen noch einmal 797 Fragen in 452 Gesprächen herein, davon 424 allein am Tag danach – der drittstärkste Tag überhaupt.
Auffällig ist der Tonwechsel: Aus Wahlkampffragen werden Bürgeranliegen. Straßensanierung in der Eifelstraße, Mobilität, wo sich der Podcast von Antenne Bergstraße nachhören lässt. Dazu Hinweise wie: „Auch die ohne Internet bitte. Viele haben auch keine Zeitung und lesen das gar nicht." Die Nachfrage nach Auskunft endet nicht am Wahltag – sie verschiebt sich.
02 · Wann gefragt wird
Fragen nach Uhrzeit
2.055 Fragen kamen abends und nachts. Die stärkste Stunde ist 19 Uhr mit 449 Fragen, und selbst um zwei Uhr nachts wurde noch gefragt. Genau da liegt der Nutzen: Diese Zeiten kann kein Wahlkampfteam abdecken, ein Avatar schon.
Fragen nach Wochentag
Werktags läuft es am stärksten, Donnerstag und Freitag führen mit 961 und 921 Fragen. Für die Planung heißt das: Neue Inhalte und Posts gehören auf Mittwoch bis Freitag.
03 · Gespräche
Die Zahlen stammen aus der Sessionabrechnung: Jede Session hat eine eigene ID, einen Startzeitpunkt und eine exakte Dauer.
Gespräche nach Dauer
Der Schwerpunkt liegt zwischen zwei und fünf Minuten. 443 Gespräche dauerten länger als fünf Minuten, 88 länger als zehn. Das ist bemerkenswert für ein Format, das die meisten Besucher spontan und ungeplant anklicken.
Ein Teil der 2.307 Sessions sind kurze Neugier-Klicks auf die Widget-Blase – antippen, schauen, weitergehen. Rund 1.930 sind echte Dialoge mit mindestens einer Frage.
04 · Themen
Jede Frage wurde per Schlagwortmuster einem oder mehreren Themen zugeordnet. Ein Strich steht für 15 Fragen.
Mehrfachzuordnung möglich
Ganz oben steht kein Sachthema, sondern die Person und das Programm: 652 Fragen zu Kandidatur, Zielen und Wahlprogramm, 340 zu Beruf und Werdegang. Vor der Sachfrage kommt die Vertrauensfrage – die Leute wollen wissen, wer da antritt.
Bei den Sachthemen führen Wirtschaft und Finanzen (446) sowie Innenstadt, Handel und Neumarkt (273). Verkehr, Wohnen und Klima liegen deutlich dahinter – ein Befund, der dem üblichen Bauchgefühl im Kommunalwahlkampf widerspricht und ohne diese Daten nicht sichtbar geworden wäre.
418 Eingaben waren reine Gesprächssteuerung, davon 176-mal ein schlichtes „Ja". Bei 91 Prozent dieser Zustimmungen endete die vorherige Antwort mit einer Rückfrage – „Soll ich dir mehr dazu erzählen?".
Das Angebot zum Weiterreden wird also fast immer angenommen. Genau das unterscheidet ein Gespräch von einer FAQ-Seite.
05 · Konkrete Themen
Zählt man die konkret benannten Orte, Projekte und Reizthemen, ergibt sich ein schärferes Bild als bei den Oberkategorien.
Innenstadt und Leerstand (93 Nennungen) und das Neumarkt-Center (82) sind die meistgenannten konkreten Themen im gesamten Datensatz, dahinter Grundsteuer (59) und Marktplatz (57). Für die Amtszeit liegt damit eine nach Bürgerinteresse sortierte Themenliste vor – erhoben nicht in einer Umfrage, sondern aus dem, was die Leute von sich aus gefragt haben.
06 · Sprachen
5.150 Antworten ergingen auf Deutsch, 127 in 19 weiteren Sprachen. Die gewählte Sprache bleibt über das gesamte Gespräch erhalten.
Englisch führt, dahinter Italienisch, Japanisch und Französisch. Die Bandbreite reicht bis Arabisch, Griechisch, Hindi, Koreanisch und Russisch. Ein Teil davon sind Neugier-Tests, ein anderer echte Anliegen – etwa die englische Frage einer Studentin, die neu in Bensheim ist und wissen will, was sie über die Stadt kennen muss.
Zwei Prozent klingt wenig. Es sind 127 Gespräche, die ohne Mehrsprachigkeit gar nicht stattgefunden hätten – und im Wahlkampf zählt jede Stimme, die sich angesprochen fühlt.
07 · Wissensbasis
Der Avatar antwortet nicht frei, sondern auf Basis freigegebener Texte des Kandidaten. Zu jeder Antwort ist protokolliert, welche Dokumente herangezogen wurden.
Meistgenutzte Dokumente der Wissensbasis · Top 12 von 68
Zu jeder Frage sucht das System in 68 freigegebenen Dokumenten nach den passenden Stellen. In 97 Prozent aller Antworten wurde mindestens ein klar passendes Dokument gefunden. Das ist der entscheidende Unterschied zu einem frei formulierenden Chatbot: Jede Aussage lässt sich auf einen vom Kandidaten freigegebenen Text zurückführen.
Am häufigsten herangezogen wurden „Über mich", „Älter werden in Bensheim" und „Klimagerechte Stadtentwicklung". Bei den Antworten, für die ein Dokument den Ausschlag gab, liegt dagegen „Wirtschaft und Finanzen" vorn – passend zum stärksten Sachthema.
Wo die Wissensbasis nichts hergab, hat der Avatar das gesagt statt zu raten. Diese Fälle sind protokolliert und ergeben eine präzise Liste dessen, was die Bürger wissen wollten und noch nicht erfahren konnten – von Abfallterminen über Sportstätten bis zu Veranstaltungsdaten.
Ein besseres Content-Briefing gibt es nicht: Es kommt nicht aus einem Workshop, sondern von echten Bürgern. Nach jeder Pflegerunde steigt die Antwortquote messbar.
08 · Fazit
Vier Wochen, 5.278 beantwortete Fragen, 136,3 Stunden Gespräch. Erreichbar rund um die Uhr, in 28 Sprachen, mit gleichbleibender Geduld – auch bei der hundertsten Frage zur Grundsteuer und auch bei denen, die einen Menschen irgendwann laut werden lassen würden.
Der Nutzen geht über den Wahlkampf hinaus. Am Ende steht ein Datensatz, der zeigt, welche Themen die Stadt wirklich bewegen, zu welchen Fragen Informationen fehlen und wann die Bürger den Kontakt suchen. Das ist Material für die ersten hundert Tage im Amt.
Für die Fortsetzung als Bürgermeister-Avatar sprechen die Zahlen der vergangenen Woche: 797 Fragen in 452 Gesprächen nach dem Wahlabend, inhaltlich bereits Bürgeranliegen statt Wahlkampf. Dazu 38 Prozent der Anfragen außerhalb der Bürozeiten und 443 Gespräche über fünf Minuten. Der Kanal ist da, er wird genutzt, und er ist bereits im Amt angekommen.